//TO THE LADIES//the road to freedom of body and mind

Wahrscheinlich zucken jetzt wieder Leute über meine Worte zusammen, aber ich muss nun doch mal auf ein B(r)ett springen. Die Hamburg-Mannheimer-Orgie war wie eine Bombe in der Diskussion über Männchen und/um und in Weibchen. Sibylle Berg hat in ihrer Spiegel-Kolumne geschrieben, sie ‘habe es satt’, dass die eine Hälfte der Bevölkerung der anderen ‘zur Befriedigung’ dient. Es folgten Diskussionen im FAZ-Feuilleton und andernorts. Ich fühle mit. Als Frau, natürlich. Vor allem verstehe ich die Wut, die in Bergs Text steckt, weil auch ich oft nur wütend bin und die Schnauze voll hab – vom kranken Plastikfrauenbild in den Medien durch TV-Spielfilm-Retusche und von den geifernden Typen, die meinen, man sitze nur auf dem Rennrad, um zur allgemeinen Geilheit beizutragen. In solchen Momenten möchte ich mir gerne einen Mittelfinger auf den Rücken malen. Trotzdem passen mir ein paar feministische Gedanken nicht.
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Mir passt es zunächst nicht, dass die Frauen als gedemütigte Opfer dargestellt werden. So werden sie nämlich wirklich zu Opfern. Erst die dauernde Thematisierung manifestiert eine Idee zum echten Problem. Realitätskonstruktion nennt man das.
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Mir passt es nicht, dass Feministinnen verachtend etwa über Prostitution herziehen. Sie sollten sich lieber mit den Frauen aus dem Business selbst beschäftigen, denn dann wüssten sie, dass so ein Text wie der von Frau Berg sich für Prostituierte höchst erniedrigend anfühlen muss. Bei einer meiner Recherchen habe ich erfahren, dass diese Frauen an der Front von der Öffentlichkeit vor allem eins brauchen: Respekt und Anerkennung. Da hilft ein unsensibles Gedresche nicht. Viele prostituierte Frauen finden, dass sie Rechte verdienen und stark sind in ihrem Job. Sie wollen nicht durch elitäre Medien- und Intellektuellendiskussionen das Gefühl vermittelt bekommen, dass sie Sklaven in einer Männerwelt sind.
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Ich bin es verdammt leid, dass ich mich als Frau, die ein Körpergefühl hat und ausdrücken will, verstecken muss, weil ich sonst von den Weibern (und Kerlen sowieso) dumme Blicke und Sprüche ernte. Sibylle Berg fühlt sich diskriminiert wie ein ‘Farbiger mit Fußketten’. Ich hingegen fühle mich von manchen Feministinnen diskriminiert. Wenn es heißt: ‘Bitte, wenn Du in dieser Gesellschaft was erreichen willst, zieh Dir Hosen an’ oder ‘bei so einem kurzen Teil, da brauchste dich nicht wundern’. Wie bitte??? Das grenzt an Freiheitsberaubung. Ich bin bei weitem kein Weibchen, ich freu mich wie Hugo, wenn ich die Jungs beim Joggen überhole, ich hab ein größeres Sixpack und größere Eier (ist bisschen geschwindelt, zumindest das letzte), aber ich mach bei dieser biederen Angleichungs-Propaganda nicht mit. Der weibliche Körper hat eine Scharade verdient. Und ich sehe es nicht ein, dass Frauen sich maskulin und bedeckt geben müssen, um ernstgenommen zu werden. Und sonst als Bedrohung des Frauenbilds und der Emanzipation gesehen werden und überhaupt ausgerottet werden müssen.
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Ich verstehe sowieso nicht, warum hierzulande sich so wenig mit dem Körper auseinander gesetzt wird (außer krankhaft in den Medien). Da wird festgestellt, körperfixierte Menschen haben ein niedriges Bildungsniveau, und wahrscheinlich stimmt das sogar! Ein Armutszeugnis ist das alles, und ein Zeichen für Entfremdung, Negierung und Trennung von Seele und Körper. Auch das passt mir nicht. Ich bin froh, ein sehr körperlicher Mensch zu sein, was sonst außer mein Körper gehört wirklich zu mir? Und wenn ich durch Sport, Tanzen, Perfomance, Klamotten oder sonstige böse böse Unanständigkeiten mit meinem besten Partner dem Körper arbeite, dann tue ich das für mich und meine Gesundheit und meinen Intellekt. Aus Egoismus. Nicht, weil ich ein Opfer des Mediendiktats und der Männerwelt bin.
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Das Problem liegt (hoffentlich) nicht beim Frauenkörper selbst, sondern bei der Sicht darauf. Wenn eine Dame so stolz auf ihren Körper ist, dass sie sich im Bikini zeigen will, dann sollte sie sich gefälligst ablichten lassen dürfen oder von mir aus auf der Straße posieren. Und zwar ohne geifernde Kommentare von Typen und ohne Frötzeleien von Feministinnen. Utopisch, ich weiß schon.
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Dennoch, Mädels, Frauen und Feministinnen, dies ist ein Aufruf dazu, den weiblichen Körper zu feiern. Für ein Recht auf Frausein, auf weibliche Sexyness und eine Freiheit des Körpers. Können wir nicht zusammenhalten? Und uns darüber freuen, wenn uns eine körperbetonte Geschlechtsgenossin auf der anderen Straßenseite entgegenläuft. Können wir uns nicht darauf konzentrieren was wir Frauen wollen, statt auf das, was angeblich Männer wollen, weil Frauen es wollen, weil Männer … ? Uns zentrieren, mehr mit uns selbst und unseren Körpern auseinandersetzen. Stolz darauf sein, stark und amazonenhaft. Es einfach tun. Und den Mittelfinger imaginieren, wenn Männer- oder Medienmache uns den Spaß an uns selbst verderben will.
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Vielleicht, wenn die Gesellschaft von ihrem biederen verkrampften Ross runterkommt und mehr Offenheit zulässt, werden solche Aktionen wie die der Hamburg-Mannheimer gar nicht mehr passieren.
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Utopisch, ich weiß schon.
5 comments
  1. es wäre ziemlich cool, wenn man einfach nur ein wesen wäre, ob jetzt durch zufall männlichen oder eben weiblichen geschlechts – mein eindruck ist meist nur der folgende, dass wer zur allgemeinen geschlechtslosen gesellschaft zu gehören wünscht meist den umweg übers offensichtliche frau- bzw. mann-sein gehen muss, d.h. zunächst schön herausgeputzt die oberflächlichkeit dann wieder für nicht so wichtig erklären. also wenn man zur un-frau werden will, muss man zuerst zur frau werden… so in etwa
    oder bin das nur ich…

  2. melly said:

    weiße spize, braune haut, starke worte!

    jap, der oradtrip ist ein totaler wahnsinn, schminke- und internetlose zeit macht spaß und sinn!

    kommunizier mit mir, jaaa!🙂

    /melly

  3. utopisch, ja.

    das problem liegt eben daran, dass man, sobald man auf die straße geht, nicht mehr nur “fuer sich” ist, sondern den blicken ausgesetzt. und dem (ver)urteilen. – und dann steht die frage im raum, ziehst du das wirklich nur fuer dich an?, wieviel bedeutet ein blick?, und weshalb ueberhaupt auch nur einen cent auf die meinung der anderen geben.

  4. Ein toller Artikel!
    Ich musste mich in letzter Zeit auch mit dem modernen Idealbild der Frau auseinandersetzen, da einer unserer Leser meinte, ich sei zu fett für ein Sommerkleid. Ok, Größe 38/40 empfinde ich nicht als Beinbruch und die Mehrzahl unserer Leser zum Glück auch nicht.
    Hier der Link zum Artikel: http://frollein-liebelei.de/?p=3956
    Ich frage mich, warum von mir erwartet wird wie ein Model auszusehen, wo ich doch aber keines bin?!

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