Wenn es soweit ist. Irgendwie will man dann doch nur, dass es aufhört. Dass etwas passiert, was kurz ablenkt. Von diesem Moment. Und dann wohl wieder und wieder. Stop! Weiter. Stop! Weiter. Stop! Ein Reiz. Irgendwas, ist egal. Was macht man denn sonst mit diesem Moment? Wenn da nichts ist als eben dieser Moment. Da muss doch etwas passieren, das kann es doch nicht sein! Gibt es nicht einen Blitz, einen Rausch, einen Anruf, einen glasklaren Donnerknall? Ich brauche jetzt ein Ding, das mich hier rausholt. Bitte! Der Ruf, der den nächsten Schritt diktiert. In diesem Moment. Ich kann nicht entscheiden über etwas, das nicht beginnt. Muss ich etwas, habe ich eine Aufgabe? Kann ich ein brennendes Problem lösen? Ich nehme einen Stift in die Hand, setze ihn an und wieder ab. Ich gehe zur Schublade, ziehe sie auf und wieder zu. Ich zähle meine Schritte: eins, zwei, sechs. Das stimmt ja gar nicht. Da ist so ein Video, ich drücke auf Play und wieder Off. Off. Was mache ich jetzt? Mit diesem Moment. Er soll aufhören, hören, mich soll jemand hören! Kann ich etwas essen, trinken, rauchen? Ich stehe auf und drehe mich im Kreis. Schneller! Weiterdrehen, bis mir schwindelig wird und ich mich hinlegen muss. Immerhin etwas muss ich jetzt. Immerhin. Der Schwindel versiegt zu schnell. Dann liege ich nur. Soll ich etwas denken? An das Wetter vielleicht oder an etwas, was jemand gesagt hat. Oder an die Dunkelheit, die ich durch die geschlossenen Lider sehe. Meine Beine in unbequemer Position, die Knie zum Kinn. Ich atme. Immerhin. Vielleicht denke ich an einen Löwen. Der mein Freund ist und mich trägt über ein Felder, über die Beugung der Welt, durch die Wälder. Galoppierend, während ich den Wind in meinem Gesicht spüre. Wir begegnen Wesen und Seelen, die mal mit uns galoppieren und dann abfliegen. Weiter! Weiter! Weiter! Bis mir schwindelig wird. Der Löwe setzt mich ab an einem Baum. Ich liege in einem Kreis aus Feuer. Die Knie zum Kinn. Ich atme immerhin. Und da kommen sie wieder. Die Wesen. Sie tanzen um mich herum. Ich höre. Dinge. Donnerknall. Rufe. Rausch. Das ist es! Sie singen. Was ich tun kann. Mit diesem Moment und allen anderen.

Lena Schmetterling Blog Post//those are the four main heros in the book. i guess, maik ist my favourite. pick your’s!

that i have learned from my research: more listening, less judging. let’s try to have some respect for every life out there (as long as it doesn’t hurt others). everybody does their best.

//Danke an die Diakonie Weser5 in Frankfurt, dass ich vor Jahren dort recherchieren durfte. Ohne sie gäb’s Maik nicht, klar. Die Menschen dort waren so toll, haben mir Vertrauen und Offenheit und Hilfsbereitschaft entgegengebracht, mich mithelfen lassen und Leuten vorgestellt, ich könnte heulen. Anfangs war’s mir mulmig da im Ghetto, obwohl nun wirklich nichts passieren konnte. Komisch. Das war wohl die bloße Mulmigkeit vor dem Fremden (obwohl ich immer dachte, so fremd ist mir das Ghetto nicht). Aber nach wenigen Tagen hatte ich mich völlig eingewöhnt. Und konnte eintauchen: Ich habe mit dem Junkie geblödelt, bei einer Sexarbeiterin auf dem Bett gesessen, mich mit Roma um Hosen gestritten, bin mit jemandem rumgegurkt, der gerade nach 20 Jahren aus dem Knast kam – und habe zugehört. Das respektvolle Zuhören tut dem anderen scheinbar ganz gut. Was für eine nahe, ferne Parallelwelt. Heute stapeln sich immer mehr Schlafsäcke nachts vor der Diakonie.

Ich befürchte gerade, dass sich die Angst vor dem Fremden und Unerwarteten in Hass umwandelt. Ich will Scheiße nicht schön reden, davon gibt’s genug. Aber gehen wir von der These aus, dass es Starke und Schwache gibt, dann sind wir ja wohl die Starken. Und die Starken können wenigstens versuchen, halbwegs klug zu sein und nicht zu verallgemeinern. Und wenigstens versuchen, Respekt für jedes Leben aufzubringen (solange es niemand anderen verletzt). Jeder tut sein Bestes im Rahmen seiner Möglichkeiten. Gehen wir also davon aus, dass es die Schwachen und Starken gibt, dann haben gerade die Schwachen eine Parade und Respekt verdient dafür, dass sie (so) überleben können.

Thanks to Julia Katharine Ziegler & Valerie Sietzy for the creative support.

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Lena Elfrath
Die Liebe ist ein Schmetterling
Roman
Geb., großes Format
etwa 434 Seiten
ca. 24,00 € (D)
978-3-86337-106-7Release Date: 1st of August

Almost burned out. But after two days of solitude I’m game again with those things I once considered my passions.